#Krebs #Ich will leben


Ich will leben

Ich laufe barfuß durch die Feuer,
die Seelenqualen hell entfacht,
und schnaubend folgt das Ungeheuer
mir in den Schlaf der ersten Nacht.

Ich rufe nein, ich will mich wehren,
ich lasse mich nicht auf dich ein,
du kannst mich noch so sehr begehren,
niemals wirst du dem Tod mich weih‘n.

Ich kämpfe Schlachten auf die Weise,
die ich schon lange praktiziere.
Natur bestimmt die lange Reise,
damit ich nicht den Kampf verliere.

Ich traue meinen Lebenskräften,
vertraue auf so manches Kraut,
lass mir „unmöglich“ nicht anheften,
auch wenn so mancher skeptisch schaut.

Und dann, dann spüre ich das Leben,
das kraftvoll wieder mich durchdringt,
ich danke für das gütig‘ Weben,
das warm und klingend in mir  singt

floravonbistram 1991
nach der Diagnose Gebärmutterhalskrebs
den letzten Vers schrieb ich, nachdem ich alles überstanden hatte




#Dunkelzeit #Dunkelheit #November


Dunkelzeit

Dunkle und nur graue Zeit?
Nein, die hellen Kerzenlichter
zaubern Schein in die Gesichter,
Weihnachten ist nicht mehr weit.

Stille durch die Fluren schwingt,
in sich ruhen jetzt die Wälder,
aufgebrochen braun die Felder,
und kein einz'ger Vogel singt.

So versteht es die Natur,
Kraft zu sammeln in der Ruh'.
Drum verharr auch einmal DU
gönn dir die Besinnung pur.


floravonbistram


#November #Novembernebel #Nebel

Bild könnte enthalten: Himmel, Baum, Pflanze, Gras, im Freien und Natur

Dunkelster Novembermorgen -
Stille schließt mich vollends ein,
geh, wie täglich meine Runden,
liebe es, allein zu sein.

Hinter grauen Nebelschwaden
ahne ich nur noch den Wald,
düster tönt der Ruf der Eule,
der gespenstisch widerhallt.

Nebelfrauen seh‘ ich weben
seid’ne Schleier auf dem Feld
und verwischte Mondesstrahlen
zaubern eine Märchenwelt.

Alle Wege sind verschlungen,
grauverschluckt ein jedes Licht,
bis auf Rotkehl’s sanftes Rufen
Sonnenfinger hell durchbricht

und mit wundersamem Malen
einen roten Streifen zieht,
der den Horizont umrandet,
vor dem alles Dunkel flieht.

Und ich bleibe schauend stehen,
sehe, wie das Nachtschwarz weicht,
wenn durch schwere Wolkenbänke
Taglicht jeden Raum erreicht.

Ein Moment der großen Andacht,
ein Moment so voller Glück,
ein Moment des stillen Dankens,
ein Moment… Ich geh zurück.



floravonbistram



Bild könnte enthalten: Himmel, im Freien und Natur

#Gestärktleben #Stärke #Leben #Nachtlichter


Gestärkt leben

Die Nacht- und die Tag-Lichter sind  Freude mir,
sie lassen vergessen die menschliche Gier,
getrimmt auf viel Haben und weniger Sein,
Natur macht Besitzen für mich immer klein.

Die Sonne, die Wolken, der Regen, der Schnee,
das Lachen und Singen, Wald, Himmel und See,
sie geben mir Kraft und sie bauen mich auf,
bin ich einmal traurig und nicht so gut drauf.

Die Wunder der Erde, des Lebens, des Seins,
sie lassen mich staunen, bin mit ihnen eins.
Gestärkt nehme ich immer das Leben neu an,
wenn ich es im Draußen in mir speichern kann.


floravonbistram

Meine kleine Welt #Schwerstbehindert


Meine kleine Welt

Ach nehmt mich doch mit, meine Wolken, mein Wind,
und tragt mich auf euch in die Welten hinaus,
ich bin hier gefangen wie ein hilfloses Kind
und komme allein nicht mehr aus meinem Haus. 




Die Berge, die Wälder, die Seen, das Meer,

sind nicht mehr erreichbar, sind nun doch so fern,

die Städte, die Länder…die Welt schrumpft jetzt sehr,
ich muss mich begnügen, ich mach es nicht gern. 


Doch in diesen Jahren, schau ich mich mal um,
sich Welten mir auftun, die so wunderschön.
Ich lerne begreifen, es ist um mich rum
ein Kosmos voll Wunder – man muss es nur sehn. 



floravonbistram


#Herbstlaub #Herbst



Tanzen in den Wipfelkronen

In den Ästen will ich schwingen,
tanzen mit den Wipfelkronen.
Möchte in den Blättern wohnen,
hell das Herbstlied für sie singen.

Mit den Augen will ich trinken
diese Farben - voll Erstaunen
hören, wie sie leise raunen,
wenn sie sanft zur Erde sinken.

Voller Andacht will ich schweigen,
wenn sie leuchtend bunt sich drehen
und von ihrem Baum wegwehen,
mich vor dieser Pracht verneigen.


floravonbistram 2002




#Herbst #Herbstfarben



Farbenbunt
Voller Freude will ich laufen
durch den Park der Herrlichkeiten,
der mir alle Jahreszeiten
Farben zeigt, die nicht zu kaufen.

Wenn der Wind die Wipfelkronen
kraftvoll greift und fröhlich rüttelt,
bis die Blätter abgeschüttelt
möcht` ich in den Zweigen wohnen.

Mit den Blättern will ich fliegen
durch die Welt der bunten Farben,
über Fluss und Berg und Graben,
mich in letzter Sonne wiegen.

Wenn die letzten Strahlen sprühen,
Abschied nehmen ohne Kummer,
denn nach langem Winterschlummer
wird das Leben neu erblühen.

Flora von Bistram


#Sehnsucht #Vermissen




Abdruck

Ließ ich ihn einst zurück,
den Abdruck meines Seins?
Ließ ich die feine Spur
am fremden Meeesstrand?

Wer hob die Muschel auf,
die ich am Ufer fand,
die feine Silberschale,
die dann verlor die Hand?

Fand Abdruck deines Fußes,
spät - gestern vor der Nacht,
Die Wellen drüber gleiten,
eh neu der Tag erwacht.

Der Möwenschrei am Wasser
verhallt so schnell im Sturm,
und nur das Licht des Mondes
beleuchtet still den Turm.

floravonbistram1977







Was du gesät hast



Die Weichen sind in dieser Welt
nun endlich alle falsch gestellt.
Ein jeder hat sich toll gemüht,
das zu zertrampeln, was sonst blüht.


Verblendet laufen wir umher
und sehen wahren Wert nicht mehr,
mit Narrenkleidung angetan,
verblöden wir in unserm Wahn.


Nur - kann der allergrößte Schrecken
den Einen oder Andern wecken?
Bald dröhnet laut das VIEL ZU SPÄT!
Es erntet jeder, was er sät.



floravonbistram 1986


#Geträumt #Traum



Es rauschen die Blätter der uralten Buche
leis säuseln die Wellen des Teichs mich in Schlaf
es singen die Fische, tief tauchen die Vögel
dann schweb ich einher und ein Schwan spielt Klavier

Die Stille sie wandelt den Tag bald zur Nacht
Das Lodern der Sonne weicht schimmerndem Mond
Am Himmel erstrahlen viel tausend Brillanten
ein kühlender Wind küsst mich aus dem Traum


floravonbistram



#Sommerabschied #Sommerende



Sommerabschiedsbilder

In den braunen Ackerfurchen
liegt ein letztes Sonnenfunkeln,
dieses hebt geleerten Boden
noch einmal aus dem Verdunkeln.

Sinfonie der warmen Farben
klingt für uns durch Berg und Tal,
bringt, bevor wir winterdarben,
bunte Freuden ohne Zahl.

Schmeichelweich umweht von Düften
lauschen wir den Ernterufen,
Vogeljauchzen in den Lüften,
Stampfen tönt von Pferdehufen.

Würzig schmiegt die Abendluft
sich ganz sanft in mein Erinnern.
Käuzchen durch die Dämm’rung ruft,
Spechte ihre Höhle zimmern.

Dort am Waldrand, voller Wonne,
seh ich Herbstzeitlose blühen.
Sieh, die letzte Abendsonne
lässt den Himmel rot erglühen.

Letzte Sommersonnenträume,
leises Rauschen, warmer Wind,
und die buntbelaubten Bäume
Sommerabschiedsbilder sind.


floravonbistram 2001

Bild könnte enthalten: Pflanze, Tisch, Blume und Innenbereich

#Leben geht… #Tod #Lebensende


Wenn sich am dunklen Wolkenrand,
ein sanftes Licht mir schimmernd zeigt,
fühl ich am ziehend‘ Lebensband,
dass sich mein Weg dem Ende neigt,

Im Fortgang einer langen Zeit,
konnt‘ man das Licht mir niemals rauben,
ich bin seit langem schon bereit,
getragen stets von meinem Glauben.

Und dann zur Lebensabendzeit
wächst neuer Zauber der Gedanken,
der sich in großer Innigkeit,
um alle Schönheit möchte ranken.

Die Einsamkeit der Abendstille,
hält oft mich warm umfangen.
Ich schau zurück auf Glückes Fülle,
das leis mit mir gegangen.

Der großen Weisheit schöne Blüte.
ist eingetaucht in reines Licht,
ich beuge mich der Allmacht Güte,
ich wehre einem Ende nicht.

Und hält sie mich dereinst umfangen,
ersehnte Stille, die ich such,
werd‘ ich in Lichtes Land gelangen
und sanft schließt sich mein Lebensbuch.



floravonbistram


#Erinnerung ... #Post mortem...Lasst mich bei Euch sein




In Gedanken 

Lasst mich bei Euch sein,
wenn ihr die schönen Stunden lebt,
lasst mich bei euch sein,
wenn euch viel Freude wird beschert.

Lasst mich bei euch sein,
wann immer ihr an mich mal denkt,
lasst mich bei euch sein,
wenn das Leben euch beschenkt.

Lasst mich bei euch sein,
wenn der Kummer euch sehr quält,
lasst mich bei euch sein,
wenn kein Freund mehr etwas zählt.

Lasst mich bei euch sein
und hört im Stillen auf mein Wort
lasst ihr mich bei euch sein
bin ich nicht wirklich fort.

floravonbistram 2000



#Morgen #ErwachenderTag




Mein Morgen

Verlassen das Dunkel der nächtlichen Träume
umsäuselt voll Zartheit von kusswarmen Winden
betört von den Liedern erwachender Sänger
in Dankbarkeit kann ich die Schöpfung empfinden

Durchschreiten die Tore zum grauenden Morgen
verlassen die Arme der hüllenden Nacht
erfrischendes Tanzen im feuchtwarmen Nebel
in aufgehender Sonne bestaunen die Pracht

floravonbistram um 4Uhr 30






#Hochmut #Überheblichkeit




Hochmut macht einsam

Verletzender Hochmut liegt in deinen Worten,
du fühlst dich erhaben, siehst And‘re ohn‘ Wert,
doch stehst du alleine, klopfst an stummen Pforten,
suchst hilflos nach Freunden und wirst so belehrt,

ein Mensch ohne Inhalt, der größer will scheinen,
muss lernen, bescheiden und dankbar zu sein,
dann findet er Freunde und Trost auch im Kleinen,
dann lassen die Menschen ins Herz ihn hinein.

floravonbistram



#Blütenwiese #Wiese




Hildesheim im Sommer 2016

Unsre Stadt schenkt Blütenwiesen
wie wir’s lange nicht gesehen,
voller Freude bleiben Menschen
vor der Sommerpracht still stehen.

Sie erinnern an die Zeiten,
als die Wiesen stets so blühten
großes Glück und Dankbarkeiten
in der Bürger Herzen glühten.

Hummeln, Bienen, Schwebefliegen
tauchen in die Vielfalt ein,
taumelnd sich im Nektar wiegen,
pollenschwer ein jedes Bein.

Danke für das Glück der Farben,
das ihr heuer uns geschenkt,
hoffend, dies nun stets zu haben,
dass ihr jährlich nun so denkt.

floravonbistram 2016







#Träume #Träumen #LandderTräume




Im Land der Träume


Kennst du das Land, wo die Sonne stets scheint
und der Himmel nur manchmal zur Labung leicht weint?
Dort strahlt jeden Tag ein goldenes Licht…
sag nur mein Freund, du kennst es noch nicht?

Lausche den Elfen, der Nixen Gesang,
dem Rauschen der Bäume, des Windes Wohlklang,
tanze mit mir heut – im Haar einen Kranz-
leichtfüßig schwebend den Schmetterlingstanz.

Siehst du, wie Licht sich im Wasserfall bricht,
solch‘ Regenbogen den sahst du noch nicht.
Wenn magisches Leuchten die Nachtwelt erhellt,
erlebst du als Träumer die herrlichste Welt.

Du schaust jetzt so zweifelnd und grinst mich nur an,
weißt nicht, wo  man’s Traumland wohl finden kann.
Vertrau mir ohn‘ Zweifel, lausch in dich hinein,
dann siehst du, was ich seh, kannst mit mir dort sein.

Ach komm, wag zu träumen, nur einmal im Leben,
das Land voller Träume kann Hoffnung uns geben.
Das Leben wird leichter und fröhlicher sein,
Gib dir einen Ruck, steig ins Traumboot mit ein.

floravonbistram 1967