#Kaleidoskop #Lebensscherben #Leben

 

Meine Lebensscherben

 

Ich fege meine Lebensscherben zusammen,

schaue mir die Fragmente noch einmal an,

Erinnerungen fliegen wie Wolken vorbei,

wenn ich sie Teil für Teil in die Hand nehme.

Manche sind ganz hell und wirken fröhlich,

doch es gibt auch viele dunkle darunter.

 

Darum packe ich sie in ein großes Kaleidoskop.

Halte ich dieses nun in das helle Licht,

drehe es langsam und voller Erwartung,

zeigen sich mir bunte Bilder, angst- und sorgenfrei.

 

In einzelnen Sequenzen betrachtet

zeigt sich nie das ganze Lebensbild,

doch so rutschen immer wieder bunte Scherben

über die mir vorher so dunkel erscheinenden

und ich sehe nun voller Dankbarkeit und Vergnügen:

Mein Leben war und ist so bunt.

 

2011




 

#Frühlingsklang #Frühling #Erwachen #Natur

 

Frühlingsklang

 

Im Nebel ruht das Land verborgen,

doch glitzert schon ganz zart der Tau

im nun erwachten Frühlingsmorgen,

da lichtet sich ganz schnell das Grau.

 

Die Morgensonne zeigt ihr Lachen,

verblichen ist der Sterne Schein,

die Vögel singen vom Erwachen,

es bricht der neue Tag herein.

 

Das Neugestalten der Natur

geht nun mit Freuden seinen Gang,

in Wiese, Wald, in Feld und Flur

tönt unermüdlich Frühlingsklang. 


2001




 


#Hoffnung #Vertrauen

Hoffnung

 

ist eine Spur

in der Trostlosigkeit,

Seil

an einer steilen Wand,

Stern über meinem Weg.

Er leuchtet

und gibt mir Gewissheit

dass ich das Ziel

nicht verfehle.

 

Hoffnung schenkt uns

Sicherheit

durch fremde Wüsten

Wege zu finden,

unser Schiff

durch brodelnde Wasser

zu steuern,

dem Wissen folgend

das uns erfüllt.

 

Es gibt keine Hoffnung

ohne Vertrauen

auf die

lebendige Ordnung,

die treibende Kraft:

auf das Leben


floravonbistram





#Sonnenaufgang #Morgen

 Sonnenaufgang erleben

Sehen, wie aus tauschimmernden
mit Nebelschwaden verhängten
Tälern Farben aufsteigen,
die in schillernder Mischung
weltverzaubernd das grau-dunkelblau
des verschwimmenden Nachthimmels
in Gelb-Orange-Rosa-Rot tauchen.
Vogelgesang hören, der sich
mit zärtlichen Melodien in mein
aufnahmebereites Herz schmeichelt.
Samtweiche Luft, die mich einhüllt
und in das Leben wieder freigibt.

Der frühe Morgen küsst
meinen beginnenden Tag.
Ein Erleben, als wäre es der Tag
der Erschaffung der Welt.
floravonbistram2001



Frühlingskind

 




Frühlingskind
Weiße Glöckchen läuten leise
viele zarte Melodeien,
Vögel singen ihre Weise,
Schmetterlinge sich befreien,
aus dem nährenden Kokon,
der so lange Schutz gegeben.
Was im Winter flog davon,
zeigt nun emsig frohes Leben.
Sonnenfäden, pur aus Gold,
schweben leuchtend durch die Lüfte
und ein Kind, so lieblich hold,
eingehüllt in süße Düfte,
zieht hell lachend durch das Land,
Blumen streut`s in Wies und Feld,
reicht den Menschen froh die Hand,
Frühling hat sich eingestellt.
Wird von grüner Flur gegrüßt,
getränkt von klarer Quell und Tau
und von der Sonne zart geküsst,
zart umstrahlt von Himmels Blau.
Lasst uns still vor ihm verneigen,
danken, dass es Wärme bringt
und aus vollem Herzen zeigen,
wie das Lied der Schöpfung klingt.
© Flora von Bistram



Schlaf schlaf

 

Schlaf schlaf

 

Du trägst mich erneut in die anderen Welten,

die Zeit sie verweht und sie fordert nicht mehr.

Es singen die Nachtblumen heilendes Weben,

das Balzen der Vögel umhüllt jedes Weh.

 

Und höre ich ferne das mahnende Rufen,

dann löst meine Seele das Jetzt und das Hier.

Befreit fliegt das Wünschen zu anderen Ufern,

wo hell und belebend sich Morgen enthüllt.

 

Still steht die Uhr und ich fühle das Weichen,

ganz tief im Empfinden zeigt sich mir ein Weg,

der liebend gesegnet, der mir nun bereitet

und den ich in Frieden und Freude dann geh.

 

floravonbistram 2021





Wintersonett

 


Wintersonett


Hörst du im Tal der Kinder frohes Lachen?

Sie ziehen ihre Schlitten, fahrtbereit,

denn Schneefall lockt nach draußen – Winterzeit.

Lasst uns das Feuer im Kamin entfachen.


Du musst aus deiner Lethargie erwachen-

ach, fall mit mir zurück in Kindlichkeit.

Gesichter, heißgetobt in Fröhlichkeit.

Komm, lass uns wieder Schneeballschlachten machen.


Zu schnell enteilen uns die hellen Jahre,

so unbeschwert  voll singendem Vergnügen.

Noch sind wir stark, doch bald verklingt das Lied.


Gevatter winkt schon drüben mit der Bahre,

lass uns ihn voller Lebenslust betrügen,

woll'n Leben leben,  bis es uns entflieht.


floravonbistram 


                                                                   1953


Zum Geburtstag der Winterkinder

 




#WinteramMeer

 


Winter am Meer

 

Wolken tragen Winterlichter

spiegeln sich im Wellenkamm

Schatten färben die Gesichter

silbern scheint der Uferdamm

 

Mundgehauchte Atemwölkchen

überfrieren leicht im Wind

Hungrig kreischt ein Möwenvölkchen

und das Wir so schnell verrinnt

 

in dem Strandgut der Gedanken

die dich mir nicht wiederbringen

die mich dornengleich umranken

Unser Lied wird nie verklingen

 

             floravonbistram




#Leise #Stille #Schlaflosigkeit

 

Leise

 

Kann nicht schlafen, schau nach draußen,

sternenhell das Himmelszelt.

Ich steh auf, fast wie gerufen,

füge mich in meine Welt.

 

Ziehe an die dicke Jacke,

gehe leise Richtung Wald,

atme tief, verharre lauschend

weil der Ruf des Käuzchens hallt.

 

Leise schreitet durch die Stille

meine fast durchwachte Nacht,

streicht mir sanft noch durch die Haare,

und ich spüre, dass sie lacht.

Und mein Herz ist froh und heiter,

Müdigkeit verfliegt im Nu,

wende meine Schritte heimwärts,

finde sicher jetzt noch Ruh.

 

floravonbistram 2020





Herbst vergeht

 

Das Duften, das  sanft aus den Hügeln hier steigt,

zeigt, dass dieses Jahr sich dem Ende zuneigt.

Berauschende Farben,  in Dur und in Moll,

ich schließ meine Augen, des Herbstduftes voll.

 

Die Farben, die bunten sind nun bald verblichen,

wie schnell hat das Jahr sich von dannen geschlichen,

die wärmenden  Küsse, vom Herbstwind gegeben,

sie kühlen schon ab, sind nicht mehr voll Leben.

 

Und während ich noch durch das Jahr still geblickt,

sind Wünsche auf Neues gleich voran geschickt.

Ich hatte viel Gutes, bin gar nicht bedrückt,

war doch viel zu oft von dem Leben beglückt.

 

floravonbistram



Tag und Nacht

 


Hellgolden...

 

Hell golden…

 

Hell golden wogt der Halme Meer

in Winden, die schon herbstlich schmecken,

und hier und dort – ich staune sehr -

kann bunte Blätter ich entdecken.

 

Verschoben wirkt die Jahreszeit,

zum Teil wird Ernte eingefahren,

noch leuchtet Sommer weit und breit,

mit Hitzeanstieg schon seit Jahren,

 

der sengt und quält den Tag, den Traum

und wehrlos sind wir schon erlegen,

der Asphalt kocht, das Gras ist braun.

Ins Wasser tauchen hilft dagegen.

 

So hoff ich auf den frischen Wind,

der uns dann leichtes Atmen schenkt,

wohltuend bald der Herbst beginnt.

Wie anders man im Alter denkt.

 

Septembers Milde möchte ich spüren,

Oktober goldrot leuchten sehen.

Lass mich in Träume gern entführen,

auch wenn wir dann vorm Winter stehen.

 

floravonbistram

2018



#Abgelegte Tage #Urlaub #Meer




Abgelegte Tage in den Büchern des Gestern
ausgelebt und ausgeliebt
Letzte Falter schweben tänzelnd
zaubern Sommer auf ausgebrannte Wiesen


Brandungswellen geben hoch springender Gischt
Goldhauben in der versinkenden Sonne
Dieser Duft der Zitronen und Bogainvillae
im samtenen Streicheln des Südwinds
lässt uns träge verharren

Du küsst mir letzte Orangentropfen
in schwerer Süße von den Lippen
und unsere Umarmung umfasst die ganze Welt.


floravonbistram Almeria1998





#Kraft #Leben #Sterben #Tod



Keine Kraft mehr

Ich möchte nur mein müdes Ich
in deinen starken Händen lassen,
will ruhen und nicht mehr erleben,
wie ohne Wirkung jedes Pflegen,
wie unsre wunderschöne Welt
so nach und nach in sich verfällt.

So gerne würd ich ruhen können,
in deinen weiten Armen schlafen.
Es wird nicht schwer, hier los zu lassen,
nur weiter lieben ohne hassen,
war auch mein Weg nicht immer leicht.
Zu große Worte wirken seicht.

Erscheint dir wirr nun manche Zeile
die ich auf diese Seite hefte,
nimm dir die Zeit, mich zu verstehen,
wenn auch viel Stunden noch vergehen,
bevor sich Sätze werden finden,
die sinnvoll sich zusammenbinden.

Kein Maß kann messen jenes Hoffen,
das Wünschen mal ein Bild verleiht.
Wer spricht schon gerne laut und offen
zeigt seine Blößen ganz befreit,
dass Jeder sie betasten kann
und auch belacht so dann und wann.

Doch weiter trägt mich mein Vertrauen,
dass ich dann endlich werde schauen
in eine Welt, fern dieser hier,
es wird sich öffnen jene Tür,
die mich ins Licht dann still lässt gehn,
und alles wird nur hell und schön.

floravonbistram




#Coronaangst #Corona


Virusgefangen

Gesichtsloses Treiben im Strom dieser Zeit,
alleine, gefangen, umringt von Gefahr,
von denen gesteuert und fremd einverleibt,
die selber nicht wissen, was wird und was war.

Ein Meer leerer Städte, die Stille ringsum,
erschreckend durchbrochen von kläglichem Weinen,
da liegen die Kranken, ein Virus geht um,
es fürchten den Tod nun die Großen und Kleinen.

Die Luft hinter Tüchern ist schlecht und zu knapp,
nicht nur den Kindern fehlt Freiheit  gemeinsam,
sie reißen sich zornig die Mundlappen ab,
zu viele sind ängstlich und noch viel mehr einsam.

Wer weiß schon genau, was wirklich passiert,
wen rafft es hinweg, wer wird hier besteh‘n?
Marionetten, so sind wir dressiert,
noch voller Hoffnung, uns wird nichts gescheh’n?

floravonbistram 2020



#Träume



Bild könnte enthalten: Baum, im Freien, Text und Natur