#Flüchtlinge


Lasst uns Licht geben

Ich zünde diese Kerze an
und hoffe, dass der warme Schein
noch viele Menschen hier bewegt
Lichtboten mal zu sein.
Lasst uns erhellen diese Welt,
um Frieden zu erlangen,
für jene, die im Schicksalsfeld
mal wieder um ihr Leben bangen.
Hand in Hand müssen wir leben
um den Menschen Kraft zu geben.

floravonbistram




#Regen

Endlich Regen

Weit aufgerissen
braune und dunkelgrüne Mäuler
die das herabtrommelnde Nass
laut schmatzend einsaugen
gieriges Saufen
lebensspendendes Labsal…
schon wieder versiegt


floravonbistram


#Jahrhundertsommer



Wochen
ohne den Atem des Lebens
glühend verbrennend
der Feuerball
Bleiern schwere Körper
Im Unvermögen
fast bewegungslos
Schmerzendes Dürsten
nach Kühle und Nass

floravonbistram






#Sehnsucht nach dem Gestern


In vielen schlummert schmerzend das Heimweh,
nach den vertrauten Orten der Kindheit.
Doch man kann niemals mehr die Vergangenheit erreichen,
sie niemals zurückholen.
Was aus Kindertagen eingebrannt die tiefe Sehnsucht füttert,
gibt es nicht mehr 
und die Enttäuschung wäre vorprogrammiert,
suchte man sie zu finden.
Zu anders ist das Dort geworden,
zu anders die Menschen und Bedingungen.
Erinnerungen können das Leben verschönern,
wenn man sie wie ein Geschenk ansieht,
das man ausgepackt, lange damit gelebt hatte,
das aber dann durch die Zeit
oder ungeschickte Hände zerstört wurde.
Aber man hatte es… ein Weilchen
und dieses Weilchen schenkt auch heute noch
die Glücksgefühle von damals,
auch wenn sie nun mit Wehmut verbunden sind.


floravonbistram






#Sinnsuche



Alles Suchen wird zum Finden
Zweifel werden aufgelöst
von den Augen fallen Binden
es erwacht, was lange schlief,

wird vom Abgrund weggerissen
durch die Botschaft von dem Herrn.
Aufschwung wird uns durch das Wissen,
näher kommt, was gestern fern.

Was in Ewigkeit wird stehen,
wie der Weg uns lichtwärts führt,
lässt sein klares Wort uns sehen.
Gottes Strahl hat uns berührt.

Nicht was war, soll uns bedrücken,
was gewesen, sei vorbei.
Reines Wollen wird beglücken
und macht unsern Geist ganz frei.

Denn die Helfer aus dem Lichte
reichen uns die Hand hinab,
ziehen uns dann aus der Dichte
fort von ewgem Tod und Grab.



1973 



#Stille


Du sitzt ganz still auf deinem Platz
versunken in Vergangenem
Ich setze mich zu dir
halte deine Hand
schließe die Augen
und versinke in deiner Stille


floravonbistram 1998


#Regen


Wie ein Kind tanz ich im Regen
nach der furchtbar heißen Zeit
lass mich küssen von der Wolke
die uns heute Kühlung gibt
Barfuß durch die Pfützen laufen
dass das Wasser ganz hoch spritzt
lass mir das Gesicht massieren
Haare spült der Regen weich.
Das Erinnern lässt mich lächeln
heut in diesem Himmelsnass
und mein Gang wird fast beschwingter
so begrüße ich den Tag.


floravonbistram 


Das Gestern


Berührungshungrige Haut
Erinnerung an Fühlmomente
Stimmen im Inneren so laut
rufen das Erleben 
doch das Jetzt
schüttelt mir das Gestern
aus den Haaren
die noch im Wind wehen
wie damals


floravonbistram 1976



#Lebensfluss

Das Leben ist wie ein Fluss,

das Wasser bleibt stets dasselbe,
nur die Ufer ändern sich.
Manchmal wird der
Wasserlauf langsamer,
um dann wieder
zum reißenden Strom zu werden.

Du steuerst dein Boot an
den Klippen entlang,
immer hoffend,
nicht daran zu zerschellen,
um dann wieder träumend
auf sanft schaukelnden Wellen
dahin getragen zu werden.

Menschen winken dir von den Ufern zu,
manche stürzen sich in die Fluten,
helfen dir,
dein Boot in der
richtigen Richtung zu halten,
reichen dir die Hand,
wenn du zu kentern drohst.

Andere werfen mit Steinen
und Unrat nach dir.
Doch nur du
kannst für dich bestimmen,
ob du sie wahrnehmen möchtest.

Besinne dich auf deinen Lebensfluss,
denn er führt dich nur dann
in den sicheren Hafen,
wenn du deinen Fähigkeiten
als dein eigener Steuermann vertraust.


floravonbistram 1998


#Köln...Ich geh an den Fluss



Ich geh durch die Stadt
fühl Singen und Klingen,
denn ich will  hinaus an den Fluss.
Die Hochhäuser hatten
in starrenden Reihen
die Sicht mir verbaut
für  Bilder, die mir froher Gruß.

Die Füße wolln tanzen,
der Mund möchte rufen,
ich gehe hinaus an den Fluss.
Dort wo die Weiden,
noch sonnengold schimmern
mich nickend empfangen,
sich neigen zum Kuss.

Mein Herz voller Sehnsucht
nach Wiesen und Wasser
treibt mich stetig vorwärts -
es zieht mich hinaus an den Fluss,
durch Straßengewirre
voll Hupen und Quietschen...
doch plötzlich ist damit dann Schluss.

Das Tal mit den Farben,
gesprenkelt und leuchtend
im goldenen Herbstsonnenschein
begrüßt mich hier draußen am Fluss.
Und das Herz wird mir weit
und die Seele so leicht
die sonst in der Stadt darben muss.

Flora von Bistram

Köln 1969



#Nacht



Samtblaues Tuch
webt die Nacht,
bestickt es mit 
goldenen Sternenlichtern.
Sehnsucht und Verlangen
malen purpurnen Horizont.
Und still wandernder Mond
meißelt Liebende
in Alabaster.
Im milden Schimmer
steigt der Duft der Liebe
himmelwärts.
Hörst du das Rauschen
des Ozeans der Lust?


floravonbistram


#Meer und #Möwen



Ich lausche versonnen
dem Lied des Ursprungs
unseres Lebens,
Meeresrauschen.

Heisere Rufe
wecken mich
aus meiner Versunkenheit.
Weiße Federkleider
blitzen im grellen Licht
der Mittagssonne.

Muschelreich, menschenleer
lädt der Strand am Abend ein.
 Horizont taucht rot ins Meer,
ich höre der Möwen
klagendes Rufen.
Meine Sehnsucht fliegt
mit ihnen hinaus.

floravonbistram





#Beständigkeit


Im warmen Gras


Der weiche Teppich, 
den die Erde mir bereitete, 
lädt ein zum Verweilen. 
Graspolster unter der Haut 
weich, warm und vertraut. 
Liegen, schauen, sinnen 
und die Gedanken schweifen lassen, 
entfliehen mit den Wolken, 
die mir Lebensbilder zeigen, 
hell und dunkel, 
freundlich und bedrohlich, 
doch spielerisch die Sonnenfinger, 
die den Verlauf neu malen, 
verwehend mit dem Wind.
Beständigkeit nur im steten Auf und Ab 
von Licht und Schatten. 

floravonbistram 1999



#Schwüle und #Hitze




Ermattet

Schwüle und Hitze -
ächzende Stadt,
brütende Sonne
macht Leben so matt.

Schweißnasse Körper
im Schatten nun ruhn,
lechzend nach Wasser
und müdem Nichtstun.

Geruch so drückend,
nach reifender Frucht,
doch auch nach Fäulnis 
trifft uns voller Wucht.

Träge Geräusche
an unserem Ohr,
Augen geschlossen
lauschen dem Chor -

der Bass der Autos,
gemischt mit Sopran
von Kinderstimmen
kommt dumpf bei uns an.

Tag, du umfasst uns
mit schmerzender Hand,
die Nacht nimmt uns auf -
verglüht und verbrannt.

floravonbistram 1983



Unverbraucht



Aufgeschäumte Meeresränder
lichtgemalt in Sehnsuchtsblau
leiser Wind trägt das Erinnern
legt es tief-warm in mein Herz.

Und das Hoffen bauscht in Wolken
sanft flieht Trauer vor dem Tag
Möwenkreischen wird zu Liedern
Freude tanzt der Wellenkamm

Nun erstehen vor mit Zeiten
durch die Liebe reich gemacht
Stark lebendig unverwundbar
bleibt sie in mir – unverbraucht


floravonbistram 1976





#Leere



Trunken taumelnd
sie verschwendend
statt zu dosieren

Nur genießen

Hätten wir mit ihr gegeizt
besser dosiert
als sie unerschöpflich schien

Kleine Dosen damit füllen
sie auf Ketten fädeln
ihren Samen sammeln
um sie für immer
zu bewahren

Unsere Liebe leergeliebt


floravonbistram 1973


#Elfen-Schwestern, #Schmetterlinge


Elfenschwestern, Schmetterlinge
tanzen unbeschwert im Wind,
laben sich am Sonnenfunkeln
teilen Honigküsse aus.

Zartbeflügelt, seidigschimmernd,
unermüdlich, sommerselig,
bis das nimmermüde Schweben
endet, wenn der Sommer geht.


floravonbistram 1972



Foto m. freundl. Genehm. von Bergpeter ST.

#Sinnesrausch ... Entrückt



Inmitten der blühenden Wiese

in duftendem Gras
zwischen Löwenzahn und Klee
Raunende Bäume im Wind
Von fern 
das Schnauben der Pferde
Entrückt der Welt
unsere Körper eins
Im lebendigen grünen Brautbett
Sinne berauschende
wilde Ekstase
begleitet vom milden Summen
uns nicht beachtender Bienen
Heiß und feucht 
Umschlungen
als wäre es für die Ewigkeit

floravonbistram1971



#Demenz



Verwehendes

Wolkenweich versinken Gedanken
Das Gestern und Heute
vermischt sich mit dem Tanz
der Blütenblätter im Wind
Lächeln kommt aus Anderswo
Plötzlich hilfloses Schauen
Suche nach Beständigem
Verwischte Zeit flieht
in das Prasseln des Regens
Sonnenglanz im Nichtmehr
Tastend gekrümmte Hände
im Greifen nach dem Vergessenen

floravonbistram 2002





#Sonett für den ertappten #Lügner



Sonett für den ertappten Lügner

Bevor du heimgehst, brich dein dunkles Schweigen,
sprich offen, schau mir direkt ins Gesicht.
Warum dein Mund wohl nie die Wahrheit spricht?
Du sollst nicht lügen, sondern ernste Reue zeigen.

Wie oft Ertappte ihre Blicke neigen,
gerad, als stünden sie schon vor Gericht
und doch bekennen sie die Schuld noch nicht,
sie tanzen weiter in dem Höllenreigen.

Ich will dein Stillsein länger nicht ertragen,
leck still die Wunden, die du mir geschlagen
und warte, dass der Schmerz verblasst.

Dann, irgendwann, werd‘ ich ganz ohne Fragen,
und ohne mich darüber zu beklagen,
erkennen, du warst meiner Seele Last.

floravonbistram 1994