Noch ein Wort des Dankes






Das Leben ist für mich ein Geschenk,
ein Geschenk, das Ihr mir immer wieder macht,
denn Ihr zeigt mir, dass Ihr mich wahrnehmt,
dass mein Denken und Schreiben Euch berührt
oder wenigstens innehalten lässt.

Das ist so viel, dass ich mir wünsche,
dass ich auch genügend Zeit aufbringe,
um dieses Geschenk weiterzugeben,
weiterzugeben auch an Jene,
die sonst Niemanden haben,
der sieht, hört, versteht, berührt.


floravonbistram


Unser Herbst am Meer




Mit dir lebe ich
das Schweigen der leeren Strände
und wir fühlen uns umarmt
vom rotgoldenen Horizont

Wir verfolgen still
den verwischenden Nebel
und sehen noch die Farbenspiele
so bunt sie der Sommer trieb

Uns bewegt
das Verstummen der Laute
friedvoller Übergang des Jahres
und die Stille leuchtet in uns


floravonbistram 2001


Weben der Zeit

Die Erinnerungen bilden ein Netz
im Weben der Zeit


Abschied am Meer



Diese wunderbaren Momente
setzen warme Schatten
und Horizont zerfließ in mildem Licht.
Herbsalzig schleicht sich das Meer
in mein Bewusstsein,
mischt sich unter die üppigen
Düfte der Reife.
Mein Herz folgt
dem Flug der grauen Schar
und die Dünen wandern
unter meiner fühlenden Hand.


floravonbistram 2000





Todesnachricht




Es wurde so dunkel trotz Sonne im Tag
der Himmel verhängte sich grau
es deckte die Erde mit Asche das Grün
die Farbe der Bäume verschwand.

Der Vögel Gesänge verklangen im Wald
die Nachricht trug gellenden Hall
sie ließ meine Seele schmerzblutend zurück
und Tränen gerannen zu Stein



floravonbistram



Lebensherbst


Singend erlebe ich die Frühlingssonne,
die mich aus dem Kindsein erweckt.
Ich trage den Sommer in mir,
der den Septemberglanz
in meine Haare sprenkelt,
doch der weit wogende Schleier
lässt die Winterbraut schon ahnen.

Erloschen sind die Farben,
die die Augen lebendig hielten.
Weiß tauche ich in das Ende der Zeit,
den Schluss des Wandels.

Und doch höre ich immer noch
die Stimmen der Natur,
rieche die himmlischen Düfte,
fühle voller Verlangen
die Süße der vergangenen Lieben
auf meinen Lippen, meiner Haut.
Berührungen der Vergangenheit
hüllen mich ein.

floravonbistram





Herbstgedicht 4


Farbtöpfe der Natur

In die Farbtöpfe der Natur
griffst du großzügig
mit beiden Händen,
lachend, mischend,
um weiche Töne zu locken.
.
Dann, voller Übermut
schütteltest du deine Hände
und der springende Wind
trug die Spritzer
über Berge und Täler.

Farben, uns umschmeichelnd,
die das Auge verwöhnen,
satt, schwer und doch
so sehr verzaubernd
in der reifen Vielfalt.

Glitzernde Tropfen in Zweigen,
schimmernde Seide
gesponnen im Gras,
der Ruf der Wildgänse,
ausklingender Sommer, Herbst.


floravonbistram




Herbstgedicht 3


Tanzen in den Wipfelkronen

In den Ästen will ich schwingen,
tanzen mit den Wipfelkronen.
Möchte in den Blättern wohnen,
hell das Herbstlied für sie singen.

Mit den Augen will ich trinken
diese Farben - voll Erstaunen
hören, wie sie leise raunen,
wenn sie sanft zur Erde sinken.

Voller Andacht will ich schweigen,
wenn sie leuchtend bunt sich drehen
und von ihrem Baum wegwehen,
mich vor dieser Pracht verneigen.


floravonbistram 2002




Herbstgedicht 2


Ach, nimm mich mit

Nebelfrauen tanzen,
werden verschlungen
von gierigen Sonnenlippen,
die Horizont und Natur durch ihren Kuss
in rotgoldenen Farbenrausch tauchen.

Lass mich taumeln und tanzen mit dir
zum Lied des Windes.
Herbstverliebt, buntes Blatt,
schwebst du ohne mich weiter
und mir bleibt die Sehnsucht.

Floravonbistram 1998



Herbstgedicht 1


Farbenbunt

Voller Freude will ich laufen
durch den Park der Herrlichkeiten,
der mir alle Jahreszeiten
Farben zeigt, die nicht zu kaufen.

Wenn der Wind die  Wipfelkronen
kraftvoll greift und fröhlich rüttelt,
bis die Blätter abgeschüttelt
möcht` ich in den Zweigen wohnen.

Mit den Blättern will ich fliegen
durch die Welt der bunten Farben,
über Fluss und Berg und Graben,
mich in letzter Sonne wiegen.

Wenn die letzten Strahlen sprühen,
Abschied nehmen ohne Kummer,
denn nach langem Winterschlummer
wird das Leben neu erblühen.



Flora von Bistram



Du gingst ganz still



Du gingst ganz still
mit einem Lächeln im Gesicht,
das den Regen innehalten ließ,
und es erstrahlte ein Regenbogen.

Als der Hoffnungsbogen verblasste,
kam der Vogel Seelenfrieden.
Er trug dich auf sanften Winden
weit über die Welten.

Sanft setzte er dich
am Rande der Zeit
in die Tore des Lichtes.
Du tratest hinein
und fühltest dich geborgen.

Ich habe deinen Namen
in den Wind gerufen,
nun wird er ihn weitertragen
durch die Sphären
und er wird ihn singen
in seinem Lied für die Sterne.

So wird das Erinnern an dich
als Melodie
durch die Ewigkeiten schwingen.
Dein Tod ist die Grenze deines Lebens,
aber nicht das Ende der Liebe.



floravonbistram1976







Schenkt den Kindern Seifenblasen


Schenkt den Kindern Seifenblasen,
lehrt sie wieder Träume kennen,
Bälle werfen auf den Straßen
oder um die Wette rennen.

Senkt in Augen frohes Strahlen,
dass die Herzen Freude lernen,
Bomben , die die Seelen stahlen,
müssen wir ganz schnell entkernen.

Freiheit, Gleichheit, satter Bauch
sollte doch für Alle gelten,
dann erst zieht das Lachen auch
in die allerärmsten Welten.

Allen Menschen sollte offen-
stehn ein leichtes, freies Leben,
so könn'n auch die Kinder hoffen,
Liebe fröhlich weitergeben.

FloravonBistram2008



Wünsche


Ich wünsche dir eine Hand,
die dich immer dann führt,
wenn du nicht mehr weißt,
wohin du gehen sollst,
eine Schulter zum Anlehnen,
wenn du allein nicht stehen kannst,
ein offenes Ohr, das hinhört,
wenn du mit jemandem reden musst.

Ich wünsche dir
ein Lachen, das dich empor hebt,
wenn du in einem Meer
von Tränen untergehst,
zwei starke Arme,
die dich schützend halten,
wenn du vor jedem Schritt
durch das Leben Angst hast.

Ich wünsche dir
ein Herz, das dir leuchten kann,
wenn du kein Licht mehr siehst,
Worte, die dich trösten,
wenn du durch Seelenqualen gehst,
dein Leben dir sinnlos erscheint,
du unendlich traurig
und ohne Hoffnung bist.


Ich wünsche dir
einen Menschen,
der dich so liebt wie du bist,
und den du auf deine
besondere Art lieben darfst,
denn dann erfüllt sich
deine tiefste Sehnsucht.



Flora von Bistram 1987



Tugend



Tugendhaftigkeit verspottet 

groben Sinnes mancher Mann, 

damit zeigt er, welchen Arten 

er doch nur entspringen kann, 

  

denn wer Gutes nicht mehr achtet, 

der ist selbst nicht ehrenwert 

und er zeigt, dass er dem Dunkel 

Zutritt in sein Herz nicht wehrt, 

  

sondern Schmutz, Gewürm und Abgrund 

die Umgebung für ihn ward, 

weil die Sauberkeit ihn ärgert 

und all das, was klar und zart. 

  

Tugend aber bleibt bestehen, 

auch, wenn keiner sie mehr will, 

denn sie wirkt aus and'ren Höhen 

beinah unbemerkt und still. 

  

Wer nach Anschluss hat Verlangen, 

recke sich zum Licht empor, 

dann wird ihm auch Kraft gespendet, 

Dunkel schiebt sich nicht davor, 

  

denn wer sucht, mit Herz zu hören, 

hat sein Innres aufgetan, 

das ruft dann die guten Geister 

ihm zur Hilfe auf den Plan. 


floravonbistram 1988



Nebel



Der Abend umhüllte die Natur 
nahm sie in seine fahlen Arme
und die Schemen verschluckten
die Farben des Lebens

FvB


Dein Engel



Such deinen Engel
nicht im Himmel,
such ihn überhaupt nicht,
denn er ist bei dir,
wo immer du gehst.
Er winkt dir am Straßenrand,
damit du
besser auf den Verkehr achtest;
hält deinen Kopf
im Schwimmbad,
wenn dir die Luft
plötzlich knapp wird,
führt die Hand des Arztes,
der dich operieren will,
breitet seine Flügel
über den offenen Kanal,
damit du nicht hinein stürzt.
Nein, such ihn nicht,
sondern sieh ihn an,
wenn er dich anschaut.
Nimm seine Hand,
wenn sie dich berührt.
Und wenn du einmal denkst,
er hat dich verlassen,
überleg,
ob du ihn vertrieben hast.


1984 Für meine Kinder





Feuervogel



Wenn der Feuervogel sich erhebt 
von seinem schützenden Baum
und seine Schwingen tragen uns 
durch die lauwarme Nacht,
wenn wir schlaftrunken lächeln, 
getragen von süßem Traum,
spüren wir tröstend in uns 
eine allumfassende Macht.

Wenn Phönix in der Stille 
seine Stimme zum Liede erhebt,
so dunkle Erinnerungen löscht, 
die uns zu sehr verletzt,
wenn im Erkenntnisschauer 
wir vor Kälte leicht erbebt‘,
offenbart sich uns die Magie 
des greifbaren Heute und Jetzt.

floravonbistram 1972