Lebensherbst


Singend erlebe ich die Frühlingssonne,
die mich aus dem Kindsein erweckt.
Ich trage den Sommer in mir,
der den Septemberglanz
in meine Haare sprenkelt,
doch der weit wogende Schleier
lässt die Winterbraut schon ahnen.

Erloschen sind die Farben,
die die Augen lebendig hielten.
Weiß tauche ich in das Ende der Zeit,
den Schluss des Wandels.

Und doch höre ich immer noch
die Stimmen der Natur,
rieche die himmlischen Düfte,
fühle voller Verlangen
die Süße der vergangenen Lieben
auf meinen Lippen, meiner Haut.
Berührungen der Vergangenheit
hüllen mich ein.

floravonbistram





Herbstgedicht 4


Farbtöpfe der Natur

In die Farbtöpfe der Natur
griffst du großzügig
mit beiden Händen,
lachend, mischend,
um weiche Töne zu locken.
.
Dann, voller Übermut
schütteltest du deine Hände
und der springende Wind
trug die Spritzer
über Berge und Täler.

Farben, uns umschmeichelnd,
die das Auge verwöhnen,
satt, schwer und doch
so sehr verzaubernd
in der reifen Vielfalt.

Glitzernde Tropfen in Zweigen,
schimmernde Seide
gesponnen im Gras,
der Ruf der Wildgänse,
ausklingender Sommer, Herbst.


floravonbistram




Herbstgedicht 3


Tanzen in den Wipfelkronen

In den Ästen will ich schwingen,
tanzen mit den Wipfelkronen.
Möchte in den Blättern wohnen,
hell das Herbstlied für sie singen.

Mit den Augen will ich trinken
diese Farben - voll Erstaunen
hören, wie sie leise raunen,
wenn sie sanft zur Erde sinken.

Voller Andacht will ich schweigen,
wenn sie leuchtend bunt sich drehen
und von ihrem Baum wegwehen,
mich vor dieser Pracht verneigen.


floravonbistram 2002




Herbstgedicht 2


Ach, nimm mich mit

Nebelfrauen tanzen,
werden verschlungen
von gierigen Sonnenlippen,
die Horizont und Natur durch ihren Kuss
in rotgoldenen Farbenrausch tauchen.

Lass mich taumeln und tanzen mit dir
zum Lied des Windes.
Herbstverliebt, buntes Blatt,
schwebst du ohne mich weiter
und mir bleibt die Sehnsucht.

Floravonbistram 1998



Herbstgedicht 1


Farbenbunt

Voller Freude will ich laufen
durch den Park der Herrlichkeiten,
der mir alle Jahreszeiten
Farben zeigt, die nicht zu kaufen.

Wenn der Wind die  Wipfelkronen
kraftvoll greift und fröhlich rüttelt,
bis die Blätter abgeschüttelt
möcht` ich in den Zweigen wohnen.

Mit den Blättern will ich fliegen
durch die Welt der bunten Farben,
über Fluss und Berg und Graben,
mich in letzter Sonne wiegen.

Wenn die letzten Strahlen sprühen,
Abschied nehmen ohne Kummer,
denn nach langem Winterschlummer
wird das Leben neu erblühen.



Flora von Bistram



Du gingst ganz still



Du gingst ganz still
mit einem Lächeln im Gesicht,
das den Regen innehalten ließ,
und es erstrahlte ein Regenbogen.

Als der Hoffnungsbogen verblasste,
kam der Vogel Seelenfrieden.
Er trug dich auf sanften Winden
weit über die Welten.

Sanft setzte er dich
am Rande der Zeit
in die Tore des Lichtes.
Du tratest hinein
und fühltest dich geborgen.

Ich habe deinen Namen
in den Wind gerufen,
nun wird er ihn weitertragen
durch die Sphären
und er wird ihn singen
in seinem Lied für die Sterne.

So wird das Erinnern an dich
als Melodie
durch die Ewigkeiten schwingen.
Dein Tod ist die Grenze deines Lebens,
aber nicht das Ende der Liebe.



floravonbistram1976







Schenkt den Kindern Seifenblasen


Schenkt den Kindern Seifenblasen,
lehrt sie wieder Träume kennen,
Bälle werfen auf den Straßen
oder um die Wette rennen.

Senkt in Augen frohes Strahlen,
dass die Herzen Freude lernen,
Bomben , die die Seelen stahlen,
müssen wir ganz schnell entkernen.

Freiheit, Gleichheit, satter Bauch
sollte doch für Alle gelten,
dann erst zieht das Lachen auch
in die allerärmsten Welten.

Allen Menschen sollte offen-
stehn ein leichtes, freies Leben,
so könn'n auch die Kinder hoffen,
Liebe fröhlich weitergeben.

FloravonBistram2008



Wünsche


Ich wünsche dir eine Hand,
die dich immer dann führt,
wenn du nicht mehr weißt,
wohin du gehen sollst,
eine Schulter zum Anlehnen,
wenn du allein nicht stehen kannst,
ein offenes Ohr, das hinhört,
wenn du mit jemandem reden musst.

Ich wünsche dir
ein Lachen, das dich empor hebt,
wenn du in einem Meer
von Tränen untergehst,
zwei starke Arme,
die dich schützend halten,
wenn du vor jedem Schritt
durch das Leben Angst hast.

Ich wünsche dir
ein Herz, das dir leuchten kann,
wenn du kein Licht mehr siehst,
Worte, die dich trösten,
wenn du durch Seelenqualen gehst,
dein Leben dir sinnlos erscheint,
du unendlich traurig
und ohne Hoffnung bist.


Ich wünsche dir
einen Menschen,
der dich so liebt wie du bist,
und den du auf deine
besondere Art lieben darfst,
denn dann erfüllt sich
deine tiefste Sehnsucht.



Flora von Bistram 1987



Tugend



Tugendhaftigkeit verspottet 

groben Sinnes mancher Mann, 

damit zeigt er, welchen Arten 

er doch nur entspringen kann, 

  

denn wer Gutes nicht mehr achtet, 

der ist selbst nicht ehrenwert 

und er zeigt, dass er dem Dunkel 

Zutritt in sein Herz nicht wehrt, 

  

sondern Schmutz, Gewürm und Abgrund 

die Umgebung für ihn ward, 

weil die Sauberkeit ihn ärgert 

und all das, was klar und zart. 

  

Tugend aber bleibt bestehen, 

auch, wenn keiner sie mehr will, 

denn sie wirkt aus and'ren Höhen 

beinah unbemerkt und still. 

  

Wer nach Anschluss hat Verlangen, 

recke sich zum Licht empor, 

dann wird ihm auch Kraft gespendet, 

Dunkel schiebt sich nicht davor, 

  

denn wer sucht, mit Herz zu hören, 

hat sein Innres aufgetan, 

das ruft dann die guten Geister 

ihm zur Hilfe auf den Plan. 


floravonbistram 1988



Nebel



Der Abend umhüllte die Natur 
nahm sie in seine fahlen Arme
und die Schemen verschluckten
die Farben des Lebens

FvB


Dein Engel



Such deinen Engel
nicht im Himmel,
such ihn überhaupt nicht,
denn er ist bei dir,
wo immer du gehst.
Er winkt dir am Straßenrand,
damit du
besser auf den Verkehr achtest;
hält deinen Kopf
im Schwimmbad,
wenn dir die Luft
plötzlich knapp wird,
führt die Hand des Arztes,
der dich operieren will,
breitet seine Flügel
über den offenen Kanal,
damit du nicht hinein stürzt.
Nein, such ihn nicht,
sondern sieh ihn an,
wenn er dich anschaut.
Nimm seine Hand,
wenn sie dich berührt.
Und wenn du einmal denkst,
er hat dich verlassen,
überleg,
ob du ihn vertrieben hast.


1984 Für meine Kinder





Feuervogel



Wenn der Feuervogel sich erhebt 
von seinem schützenden Baum
und seine Schwingen tragen uns 
durch die lauwarme Nacht,
wenn wir schlaftrunken lächeln, 
getragen von süßem Traum,
spüren wir tröstend in uns 
eine allumfassende Macht.

Wenn Phönix in der Stille 
seine Stimme zum Liede erhebt,
so dunkle Erinnerungen löscht, 
die uns zu sehr verletzt,
wenn im Erkenntnisschauer 
wir vor Kälte leicht erbebt‘,
offenbart sich uns die Magie 
des greifbaren Heute und Jetzt.

floravonbistram 1972





Ein blaues Tuch webt die Nacht


Ein blaues Tuch 
webt die Nacht,
bestickt es mit
goldenen Lichtern aus
Sehnsucht und Verlangen
malt purpurnen Horizont
Und still wandernder Mond
meißelt Liebende in Alabaster.
Im milden Schimmer 
steigt der Duft der Liebe
himmelwärts.
Hörst du das Rauschen
des Ozeans der Lust?

Floravonbistram 1983




Sommer gegen Herbst

Übergänge

Der Herbst ist in das Land gekommen,
hat Sommers Platz still eingenommen,
nahm ihm die Pinsel aus der Hand,
hat einen Farbenteil  verbrannt.

So zeigen Blätter dunkle Kanten
und alles Grelle wird nun samten.
Auch härter wird des Windes Wüten,
erschrocken schließen sich die Blüten.

Doch alle lassen sich nicht schrecken,
die Nasen aus den Knospen strecken,
 der Sommer setzt dem Herbst  noch Schranken
und wir erfreuen uns voll Danken.


floravonbistram
2001


Nachtigall der Erinnerung



In des Parkes dichtem Grün - 
ein Vogel singt ein süßes Lied.
Ich höre es, bleib lauschend stehn,
des Abends Müdigkeit entflieht.

Erinnerung an einen Freund -
dereinst wir diesem Sänger lauschten,
als wir noch inniglich vereint
im Mondlicht zarte Küsse tauschten.

Es tut schon lange nicht mehr weh,
wenn ich an damals denk zurück,
das, was ich hör und auch versteh,
ist nur Erinnerung an Glück.


floravonbistram


Verwehter Sommer



Die gewohnten Gesänge 
der Vogelscharen verstummen,
Die ersten Blätter 
tragen einen kleinen Farbschal.
Ein Hauch von Abschied
liegt in der Luft.

Von weit leuchtenden
abgeernteten Feldern verweht
der Hauch des reifen Korns.
Zu früh tauscht der Sommer
sein kunterbuntes Kleid,
um es zu behängen
mit den ruhigen, besinnlichen
Farben des sinnlichen Vergehens.

Streichelweiche Sonnenfinger
lassen die Wärme tief unter die Haut
und die Seele noch singen.

fvb



Geträumt



Es rauschen die Blätter der uralten Buche
leis säuseln die Wellen des Teichs mich in Schlaf
es singen die Fische, tief tauchen die Vögel
dann schweb ich einher und ein Schwan spielt Klavier

Die Stille sie wandelt den Tag bald zur Nacht
Das Lodern der Sonne weicht schimmerndem Mond
Am Himmel erstrahlen viel tausend Brillanten
ein kühlender Wind küsst mich aus dem Traum


floravonbistram