Tirol




Ganz still sitzt sie da, unter ihr die grün wogenden Bäume, hinab reichend bis zu den satten Wiesen, die vom Inn abgeschnitten werden, wie Streichholzschachteln verteilt die einzelnen Gehöfte, Hütten, Schober  und Häuser, das weite Tal, das an der anderen Uferseite sich langsam wieder hebt, steiler wird und wie ein Spiegelbild fast die Diesseitigkeit wiedergibt.
Über den Kronen der in den wärmsten Grüntönen grüßenden Schützern des Tales dann hoch in den Himmel ragende Felsen, sonnenbeschienen, mit Mützchen von Wolken oder mit einem grau wabernden Schal umwogt.
Zerklüftet, aber auch mitunter glatt wie ein Spiegel wirkend.
Sie hält das Gesicht in die wärmende Sonne und lauscht den Glocken der Kühe, die weit und doch verhalten von einer nahen Alm herüberschallen, beruhigend, einschläfernd, wie auch das Summen der Bienen, Hummeln, Fliegen und Käfer.
Das Knacken im Geäst, das muntere Hüpfen des kleinen Gebirgsbaches, der dem Durstigen so wunderbar kühl Erfrischung gibt, der samtweiche Teppich, voller duftender, wohlschmeckender Pflanzen, die der Städter nie kostete, und der wunderbare Gesang der Vögel, hier und da durchbrochen von einem Warnruf des Eichelhähers, erfüllen den ganzen  Körper, betanken das Gefühl mit Wonne und gleichzeitig mit Leichtigkeit. Sorgen fallen ab, der Himmel weitet sich.
Die Augen fallen ihr zu, noch nehmen die sich sanft bewegenden Nasenflügel den Duft auf, satt, würzig und frisch.
Dankbarkeit umflutet sie, Staunen über dieses so wunderbare Meisterwerk Natur.

Ich komme wieder, geliebter Karwendel.

Flora von Bistram 2002







Tirol 2

Ein Schleier liegt über dem Tal. Tief hängen die Wolken.  Eng wirkt die Welt und bedrückend. Es ist noch nicht hell geworden, zu hoch sind die Berge rundum.
Die vier Menschen, die sich auf schmalen Pfaden bewegen, haben dafür fast keinen Blick. Jede Faser ihrer Konzentration richtet sich auf den Weg, auf die Steigung. Kaum ein Wort fällt. Ab und zu eine Hand, die sich dem reicht, der einen kleinen Halt benötigt.
Einzelne Vogelstimmen durchdringen den erwachenden Morgen und geben dem Grau ein wenig Helle. Dies spiegelt sich auch gleich auf den Gesichtern der Steigenden. Suchende Blicke schweifen nun ab und zu in Richtung der Lieder, die die Natur ihnen bietet.
„Wir halten hier an und trinken etwas!“ Jupp, der Führer hebt die Hand, denn sie sind an einer kleinen Quelle angelangt.
Abwechselnd trinken die Wanderer.  Eiskalt und sprudelnd springt das Wasser in die aufgehaltenen Hände und schlürfend wird es voller Genuss getrunken.
„Da verzichte ich doch auf jede andere Gesellschaft, auf Sekt und Buffet!“ Der Musiker lacht die junge Frau an. Sie schüttelt den Pferdeschwanz und lacht zurück.
„Das ist mir noch nie wichtig gewesen, das weißt du. Mir ist am wohlsten, wenn ich mich draußen bewegen kann.“
„Kommt weiter, wir haben noch ein Stück vor uns.“ Auch Achim hat getrunken und will voran.
Der Weg wird schmaler, teilweise kaum erkennbar. Würzige Luft umgibt sie und macht das Atmen immer wieder zum Erlebnis.
Und dann…plötzlich wird es hell, die Sonne ist über die Wolkendecke gestiegen, taucht alles in ein strahlend funkelndes Märchenlicht, denn Stein, Baum und Pflanzen am Boden hängen noch voller kleinster und größerer Tropfen, die sich nun glitzernd den Augen darbieten.
Alle verharren in stiller Andacht, so intensiv ist immer wieder das Erleben hier oben in den Tiroler Bergen. Atemberaubende Fernsicht und zu Füßen nur die Ahnung des Tals, noch begraben unter den Wolkenbergen, die sich wabernd weiter schieben und in ihrem langsamen Farbwechsel und der Verflüchtigung an den Ränder auf einen Durchbruch der Sonne hoffen lassen.
Wie nötig für die Bewohner dort unten, die schon seit Tage besseres Wetter ersehnen.
Die kleine Gruppe genießt wie so oft schon ihre Gemeinsamkeit, die Anstrengung. Das Ziel ist nur eine Wegmarke, der Aufstieg ist das, was das Blut, den Körper, jede Faser des Gefühls  in Wallung bringt.
Es werden Glücksgefühle freigesetzt, die eine absolute innere Zufriedenheit vermitteln.







Bilder in uns




Momente festgehalten-
fotografiert,
gemalt, entworfen,
gebannt auf Papier, Leinen,
eingesperrt auf einen Speicher.
Berührungen der Sinne.
Blicke, Gerüche
Empfindungen weckend
für Sekundenbruchteile,
Minuten, Stunden.
Wir wollen sie bewahren,
hervorholen können.
Hoffnung auf die Wiederkehr
des Augenblicks
des damaligen Empfindens
beim Betrachten.
Doch es sind nur
Erinnerungen-
Lebenscollagen
Bilder

FvB

Du bist es











Du bist es

Du bist die Kraft,
die meine erweckt
du bist der Mut
der meinen entdeckt,
du bist der Halt,
den ich so nie verlier,
du bist die Wärme,
durch die ich nicht frier.

Du bist der Takt,
den das Leben mir gibt,
du bist der Arm,
der  bei Kummer mich wiegt.
Du bist der Hauch,
der mich leise berührt,
du bist die Liebe,
die ich in mir gespürt.

Dank an einen ganz besonderen Menschen




Entfernung
 
Berührtest du mich, spürte ich das Feuer
der Sonne, die wir tanzten,
küsstest du mich, wehte der Abendwind
in deinem Atem, so wie wir ihn sangen.
 
Schließe ich die Augen, trägt deine Liebe
mich auf Wolken, mit denen wir flogen-
immer noch, auch wenn die Entfernung,
die zwischen uns liegt, messerscharf ist.
 
Flora von Bistram 1982



Die schönste Zeit

























Die schönste Zeit

Frisches Grün an allen Bäumen
Nun erfreuet Groß und Klein,
frisch erwacht aus Winterträumen
zog ganz schnell der Frühling ein.

Lang entbehrte warme Sonne
strahlt vom Himmel, hell und klar,
Vögel jubeln voller Wonne,
Fink und Amsel, Meise, Star.

Gelbe, rote Tulpen blühen,
Primeln, Phlox und Tausendschön,
überall ein frohes Mühen,
Wasser rauschen von den Höh`n.

Menschenlachen tönt viel freier,
aus den Augen strahlt das Glück,
Quaken tönt vom nahem Weiher,
frisch besät wird`s Gartenstück.

Viele Fenster stehen offen,
Wäsche auf der Leine hängt,
Lämmer springen, Menschen hoffen,
dass die schöne Zeit anfängt.

Ganz verändert ist die Erde,
die vor kurzem noch verschneit.
Danke für das Wort "Es werde",
danke für die Frühlingszeit

FvB 1983

SEIFENBLASENTANZ





Seifenblasentanz

Ihr braucht keinen Wind,
ein Lufthauch reicht schon
um euch tanzen zu lassen,
um einzutauchen
in die buntschillernde Welt
der Träume,
die sich in euch spiegeln.
Leben
 ist es nicht ein
Seifenblasentanz?
Du streckst die Finger aus
nach den Wünschen,
verlockend schillernden,
verheißungsvoll tanzenden,
fröhlich spiegelnden Freuden
und erlebst verwundert
wie zart, wie unerreichbar,
wie zerbrechlich
alle Träume sind,
wie schnell sie zerplatzen
und vergehen.

FvB







Die Windsbraut

Lasst mich leben, lasst mich springen,
lasst mich tollen, glücklich sein,
lasst mich tanzen, lachen, singen,
zwängt mich nicht in Glas hinein,
denn im Glas kann ich nicht leben,
täglich würd es Scherben geben.
Würde auch die Sonne scheinen,
stündlich sähe sie mich weinen.

Komm doch, Vater Sturmgebraus,
hol mich aus der Enge raus,
steig mit mir in lichte Höhen,
du allein kannst mich verstehen.
Du weißt, dass ich bin wie du,
ohne Rast und ohne Ruh.
Oh Vater Sturm, ich bin verliebt,
doch sei darüber nicht betrübt;
der, den ich liebe, ist wie wir,
ist einmal dort und dann mal hier.

Ach Vater Sturm, es ist der Wind!
Magst du ihm geben wohl dein Kind?
Oh Väterchen, ich weiß genau,
du lässt mich werden seine Frau,
`nen bessren Sohn, den wüsst ich nicht,
der könnt bestehn vor dein`m Gesicht.

Oh Tochter mein, du machst mich froh,
ja, deinen Mann wünsch ich mir so.
Dann zieh mit ihm, dem Liebsten dein,
mit ihm nur kannst du glücklich sein.
Du magst mit ihm die Welt durchstreifen,
ob Winter ist, ob Früchte reifen,
wenn Sommer ist und Blumen blühen.

Doch wenn im Herbst die Nebel ziehen,
dann denk an Vater Sturmgebraus
und komm mit Mann und Kind nach Haus.
Dann gehen zusammen wir auf Fahrt,
auf eine, ganz nach unsrer Art.
Wir wollen stürmen durch die Gassen,
wenn auch die Leute uns dann hassen.
Wir wollen sein, so wie wir sind,
Lass dich umarmen liebes Kind.


FvB 1968

Die Liebe und die Schönheit


Wird man geliebt,
weil man schön ist
oder ist man schön,
weil man geliebt wird?
Schönheit,
sowohl äußere
als auch innere Schönheit,
kann hilfreich sein,
den Weg zur Liebe zu finden.
Liebe kann hilfreich sein,
die Schönheit des Anderen
zu erfahren.

Menschen,
die voller Liebe sind,
haben eine
wahnsinnig schöne Ausstrahlung
und Menschen,
die eine wahnsinnig schöne
Ausstrahlung haben,
findet man liebenswert.

FvB 1986 





Nach dunklen Tagen
































 Frühlingsreigen

Zwingend flüstert, ruft und fordert
die uralte Stimme ihr „Erwachet!“
Treibend, sprießend, drängt und streckt,
das wintermüde Dunkel  abschüttelnd,
Blatt für Blatt und Stiel für Stiel
dem wärmenden, lockenden Licht entgegen,
um den Reigen des Lebens erneut
in berauschenden Farben zu tanzen.

FvB 2001